Chronik


Diese Chronik wurde im Jubiläumsjahr 1999 von zwei Mitgliedern geschrieben, und erzählt 25 Jahre Vereinsgeschichte.

Im Frühjahr 1974 wurde in der Gaststätte "Dreimüller" im Kunibertsviertel der Grundstein für unseren heutigen Spielmannszug gelegt. Die Brüder Theo und Dieter Esser, Udo Scheuren und Willi Becker gründeten einen Stammtisch. Sie setzten sich zum Ziel, mit einer Gruppe Musik zu machen. Später verlagerten Sie das Stammlokal in die Gaststätte "Kaiserkette", die direkt an der Eigelsteintorburg lag. Da es sich nun schon nicht mehr um einen Stammtisch handelte, und wir zu einem Karnevalsverein herangewachsen waren, wollten wir uns mit einem festen Namen im Veedel etablieren. Wir nannten uns: "De Kannibale vum Thürmchenswall".

Den Vorstand des Vereins bildete als 1. Vorsitzender Theo Esser und als 2. Vorsitzender sein Bruder Dieter Esser von 1974 –1990.
Die Wahl des Vereinsnamens konnte man der Kostümierung abgucken. Die Herstellung der Kostüme nahm viel Zeit, Arbeit und vor allem viel Geld in Anspruch. Um die Kostüme möglichst originalgetreu zu gestalten, wurden zum Beispiel eigens für die Kopfbedeckung Ochsenköpfe ausgekocht und anschließend mit Fell verziert. Über jede Hilfe waren wir dankbar. Vor allem standen uns Karl und Elisabeth Esser von der 1. Minute an hilfreich zur Seite und unterstützen uns so gut es ging.
In der ersten gemeinsamen Karnevalssession zogen wir mit Lyra, Trommeln, Pauken und Becken als musizierende Menschenfresser durch Köln. Sogar einen "offiziellen" Auftritt bei einem befreundeten Verein, der KG Ruude Husare aus Bensberg, konnten wir in dieser Session verbuchen.
Nun war der Funke übergesprungen. Es wurden regelmäßige Proben abgehalten, um weitere kölsche Leedcher in das entstehende Repertoire aufzunehmen. Die Mitgliederzahl von ca. 15 Leuten blieb in den folgenden Jahren konstant und wir konnten uns wachsender Beliebtheit im Veedel erfreuen.
Im Ehrenfelder Veedelszoch nahmen wir in der Session 1976 als Musikgruppe das 1.Mal an einem Karnevalsumzug teil. Das sollte nicht die letzte Zugteilnahme sein.
Durch die eingespielten Gelder und Spenden konnten wir uns eine eigene Standarte herstellen lassen. Im Sommer 1980 stand uns ein besonderes Ereignis bevor. Wir folgten einer Einladung der KG Ruude Husare nach England. Dort spielten wir in voller Kannibalen-Montur mitten im Sommer auf einer nostalgischen britischen Kirmes kölsche Lieder. Die "Tournee" dauerte eine Woche.
Zurück in Köln ging das Vereinsleben ganz normal weiter und die Musik blieb weiterhin der Schwerpunkt. Zwischenzeitlich wurde das Vereinslokal wieder gewechselt. Wir blieben am Eigelstein und tranken von nun an unser Kölsch im "Weinhaus Vogel".
1989 wurde der Verein zum "e. V." gemacht.
Leider kam 1990 der wohl schwärzeste Moment in der noch relativ jungen Vereinsgeschichte. Durch Unstimmigkeiten unter den Vereinsmitgliedern schrumpfte der Verein auf ein Minimum. Die Gründe dafür sind heute nicht mehr nachvollziehbar. Die verbliebenen 9 Mitglieder setzten sich zusammen und überlegten, wie und ob es im Verein weitergehen sollte. Wir entschlossen uns, als "richtiger Spielmannszug" weiterzumachen. Wir änderten den Vereinsnamen, legten uns Uniformen und einen Schellenbaum zu. Von nun an wollten wir unter dem Namen "Spellmanszoch Kölsche Mädcher un Junge vun 1974 e. V."bekannt werden.

1990 bekam der Spielmannszug seinen 1. Tambourmajor.
Willi Nicolin wurde in den Verein geholt und übernahm die Stabsführung. Er war es auch, der eine musikalische Erweiterung durch Flötisten in den Verein brachte und diese auch ausbildete.
Neue Mitglieder kamen in den Verein und die erste Hürde, als Spielmannszug zu existieren, war genommen. Leider legte Willi Nicolin nach nur 2 Jahren sein Amt als Tambourmajor aus Altersgründen nieder. Bis zu seinem Tod stand er dem Verein als Ehrenmitglied mit Rat und Tat zur Seite. 1991 trat Josef Schulte in die Fußstapfen von W. Nicolin und wurde zum zweiten Tambourmajor des Vereins.

Im Spätsommer 1991 trat Herr Münchrath an uns heran und fragte: "Hatt ihr kein loss, als Spellmanszog för de Prinzengarde Frechen zo jon?" Dieses verlockende Angebot erfüllte uns mit sehr viel Stolz und wurde nach sorgfältiger Überlegung angenommen. Einstimmig wurde jedoch von den Vereinsmitgliedern beschlossen: "Wir bleiben ein unabhängiger und eigenständiger Verein! "In der Gaststätte "Durst", dem damaligen Stammquartier der Prinzengarde Frechen, sollten wir unser Können unter Beweis stellen und wurden vom Fleck weg engagiert. Von nun an sollten wir die Gesellschaft in deren Uniform bei den Auftritten musikalisch begleiten. Schon im Herbst wurden wir provisorisch mit Litewka eingekleidet und begleiteten die PFG zum Gardetreffen nach Euskirchen. Kurze Zeit später kam auch schon der Schneider, es wurde Maß genommen und für jedes Mitglied eine Uniform angefertigt. 1992 zogen wir mit ca. 20 Spielleuten und 5 Kindern als fester Spielmannszug einer Gesellschaft durch die Sitzungssäle und lernten dadurch die anderen Seiten des Karnevals kennen. Doch das Vereinsleben hatte nicht nur sonnige Seiten. Durch den schmerzlichen Verlust des von allen hochgeschätzten Mitgliedes Hubert Zilles wurden wir schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Hubert Zilles ist und bleibt dem Verein bis heute unvergessen.

Durch Unstimmigkeiten im Vorstand traten Mitte 1995 mehrere Vorstandsmitglieder von ihren Ämtern zurück, ein neuer Vorstand musste gewählt werden. Seit dem leitet Uli Berlinger, als 1.Vorsitzender, die Geschäfte des Vereins.
Ein erneuter Wechsel in der Stabsführung brachte erstmals einem weiblichen Mitglied die Möglichkeit, das Kommando zu übernehmen. Melanie Berlinger (geb.Keusch) wurde zum 3. Tambourmajor (in). Die Mitgliederzahl pendelte sich auf einen festen Stamm von ca. 35 aktiven Spielleuten ein. Auch wenn das Musikmachen im Vordergrund steht, wird die Geselligkeit und das Familiäre groß geschrieben. So wurde z. B. ein Sommerfest sowie ein Weihnachtsfest für die Vereinsmitglieder und deren Angehörige ausgerichtet. Über das Jahr verteilt spielten wir zu den verschiedensten Anlässen. Dadurch gewannen wir immer mehr an Ansehen und der Bekanntheitsgrad stieg permanent an.
Durch die Teilnahme an Schützenfesten und deren Umzügen fanden wir eine neue Möglichkeit nicht nur im Karneval unser Können unter Beweis zu stellen.

Auf Grund des stetig steigenden Bekanntheitsgrades trat die GMKG(Große Mülheimer Karnevals Gesellschaft e.V) 1996 an uns heran und zeigte ihr Interesse an einer Zusammenarbeit auf karnevalistischer Ebene. Kurz darauf, auf einem Vereinsfest der Gesellschaft, wurden wir offiziell als deren Ehrenspielmannszug durch einen Standartenwimpel ausgezeichnet.
Die nun folgende Session `96/`97 war wohl bis dahin die erfolgreichste. Zum Anfang der Session wurde die Mädchensitzung der GMKG für das ZDF aufgezeichnet. Wir nahmen an dieser Sitzung teil und wurden dem zur Folge bei der anschließenden Ausstrahlung als Programmpunkt im Fernsehen Bundesweit gezeigt. Trotz aller Begeisterung wurden alle weiteren Auftritte in dieser Session mit dem gleichen Engagement absolviert. Zum Sessionsabschluss begleiteten wir die GMKG im Rosenmontagszug. Für den Verein war dies die 1. Teilnahme an diesem karnevalistischen Höhepunkt und wir empfanden dies als Belohnung für alle bis dahin geleisteten Mühen.

So manch einer kann nicht verstehen wie man so viel Engagement aufbringen kann, um dort hinzukommen wo dieser Verein nun steht. Doch jeder echte kölsche Jeck, wie wir es nun Mal sind, gibt alles. Das ist eine unserer Devisen. Denn:

Bei uns wird Musik gemacht
und zwischendurch auch kräftig gelacht.
Das Feiern fällt uns nicht schwer;
die Geselligkeit lieben wir sehr.
Es gibt gute und schlechte Zeiten,
bei Bedarf sollte man sich ruhig mal streiten.
Nach jedem Gewitter wird`s einem besser gehen,
und man wird wieder zusammen an der Theke stehen.
Nur gemeinsam kommt man an`s Ziel
und erreicht haben wir schon ganz schön viel.
Drum halten wir fest an diesen jecken Sachen,
und werden weiter zusammen Musik machen.